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Ausgezeichnet mit dem

Kultur-Sonderpreis 2012

vom
Landkreis Landsberg am Lech

Vita von Licca Percussiva

Am Anfang war das Wort und das ward Musik. So ungefähr ließe sich der Beginn des Landsberger Percussion Ensembles Licca Percussiva auf einen Punkt bringen. Rhythmus und Perkussion sind seit Menschengedenken in jeder Kultur präsent. Trommeln sind Kommunikationsmittel und dienen dem Dialog zwischen den Kulturen. Überall auf der Welt wurde und wird getrommelt, geklopft und geklatscht.

Wir suchten nach einer neuen Herausforderung und Möglichkeit, unserer angestauten Kreativität ein Ventil zu verschaffen. Wir wollten der Welt (oder zumindest der Region) beweisen, dass auch Schlagzeuger innovativ, kreativ und melodiös sein können. Das geeignete Forum glaubten wir im Nachwuchskünstler-Wettbewerb „Jugend musiziert“ gefunden zu haben. Dort schossen wir 2006 den Vogel ab, wie mir ein langjähriger, erfahrener Teilnehmer sagte, indem wir praktisch vom Stand heraus, von 0 auf 100, mit allen 6 Percussion Ensembles (Trios, Quartetts, Quintett & Sextett) nur 1. Preise erhielten. Das Quintett war ausschließlich mit meinen eigenen Kindern besetzt.

Auch bei den MON Wettbewerben Ober- und Niederbayern und dem BBMV bekamen unsere Percussion Ensembles auf allen drei Ebenen 1. Preise. Ein Team wurde sogar Tagessieger mit 99 von 100 Punkten – und Landessieger.

Unsere ersten Plätze brachten uns auch erstklassige Kontakte und die jungen Schlagzeuger sind zu Botschaftern der Region geworden:

  • Konzertaufnahmen mit dem Bayerischen Rundfunk „Bayern 4 Klassik“
  • Auftritt bei der Fußball Weltmeisterschaft Eröffnungsfeier der FIFA 2006 im Münchener Fußballtempel, der Allianz Arena mit vielen berühmten Sportlern und Künstlern. Weltweite TV-Live-Übertragung mit über 2,5 Milliarden Zuschauern. Wir brachten die WM nach Landsberg...
  • Vernissage der Künstler Gilde Landsberg-Lech-Ammersee mit Staatsminister Dr. Thomas Goppel.
  • Konzerte mit Mitgliedern der Berliner- und Wiener Philharmoniker
  • Benefiz Konzerte mit dem Lions Club für Erdbebenopfer
  • Einige Auftritte im weltbekannten Videoportal YouTube
  • Schweiz, Interlaken - Internationales Kulturfestival
  • Gemeinschaftskonzerte mit Blasorchestern
  • Theatermusik mit der Landsberger Bühne
  • Matinéen im Münchner Stadtmuseum
  • Sushi Percussion Festivals
  • Musik und Begegnung
  • Blick auf die Musik
  • Rathauskonzerte
  • Künstlerbegleitung
  • Kirchenkonzerte mit Orgel & Percussion
  • Internationale Ritmus Fesztiváls in Ungarn
  • European Leadership Conferences in San Marino
  • Wertebündnis Bayern mit Ministerpräsident Horst Seehofer
  • Sportlerehrungen mit unserem Landrat und Oberbürgermeister
  • Stadtfeste, Schulkonzerte, Firmenjubiläen, Kongresse, Geburtstagsfeten u.v.a.

Unser jüngstes Projekt ist das Schlagzeug- oder Malletorchester. Die Jugendlichen sind fortgeschrittene Schlagzeugschüler(innen) im Alter von 8 bis 22 Jahren.
Beheimatet sind wir in der Städtischen Sing- und Musikschule Landsberg. Dort haben wir dank unseres Schulleiters Herrn Lothar Kirsch und eines sehr angenehmen Kollegiums inzwischen ideale Probe- und Unterrichtsvoraussetzungen. Großer Dank gebührt natürlich ebenfalls der Kreativität und Energie der Trommler(innen) und der beeindruckenden aktiven und fahrfreudigen Förderung Ihrer Eltern.

Jeder Auftritt des Schlagzeugers, ob als Ensemble oder Orchester, ist neben dem Musikalischen auch immer ein Kräfteabenteuer und eine enorme logistische Herausforderung. Zu unserem umfangreichen Instrumentarium gehören:
Marimbaphone, Vibraphone, Xylophone, Glockenspiele, Pauken, Drum Set, Timbales, Große Trommel, Gong, Donnerblech, Congas, Bongos, Sizzle-, China-, Splash-, Crash-, Ride- und Akzent Becken, Blumentöpfe, Flaschen, Brummtopf, Timbales, Bierfass, Cabassa, Templeblocks, Regenrohr, Zimbeln, Woodblocks, Claves, Tambourins, Bratpfannen, Gieskannen, Peitsche, Wasserwanne, Waldteufel, Metal- und Bambus Chimes, Maracas, Cowbells, Luftballons, Tom Toms, Lotos- und Vogelpfeifen, Frösche, Metall- und Wood Guiros, Lechwasser, Holzschlitztrommeln, Baumstamm, Körperteile, Dosen, Ratsche, Metal Crasher, Hupe, Agogos, Röhrenglocken, Crotales, Teekessel, Triangeln, Fire Cracker, Autobremsscheiben und nicht zuletzt 21 verschiedene Schlägelarten.

Literatur gibt es für diese Größenordnung und Besetzung fast nicht. Deshalb komponiere und arrangiere ich viele Stücke selbst. Einige Kompositionen wurden schon von bekannten deutschen Musikverlagen verlegt. Wir spannen einen abwechslungsreichen Bogen von klassischer, anspruchsvoller, experimenteller, moderner bis hin zu humorvoller und Neuer Musik. Unsere Musik verbindet Ausdrucksformen des Schlagzeugs als Klang-, Melodie-, Harmonie-, und Rhythmusinstrument zu einer mitreisenden musikalischen Einheit.

Zum einen ist es mir wichtig, meine Schüler mit möglichst vielen musikalischen Stilen in Berührung zu bringen, zum anderen nehme ich mir immer die Freiheit, vorgegebene Kompositionen zu variieren und zu arrangieren, um über einen freien Teil die Spieler mittels Improvisation und Kommunikation zu motivieren, ein Werk zu "Ihrer Musik"  werden zu lassen. Neben der einzelnen Instrumentalentwicklung wird hier die Welt der Schlagzeugliteratur und eine spielerische Gruppenerfahrung vermittelt. Auch im Hinblick auf spätere musikalische Aktivitäten in Musikvereinen, Jazz-, Rock-, Metal Bands oder sogar eines Musikstudiums, ist die Teilnahme in diesem Ensemble richtungweisend. Die Schüler spielen als reine Amateure, in sich stets verändernder Besetzung, da neue Schüler hinzukommen bzw. ältere notgedrungen das Ensemble verlassen.

Es ist ein Erlebnis, als Ensemble zusammen zu spielen. Ein Miteinander und ein guter Austausch untereinander sind Charakteristika der Schlagzeuger. Wir helfen einander ohne Konkurrenzgefühl.

Wir wissen aus Studien, dass Musik emotionale und soziale Kompetenzen fördert. Wer mit anderen musiziert, lernt auf andere zu hören, seinen Ton zu halten, sich einzufügen, sich durchzusetzen, das gesamte Gefüge immer im Blick, besser noch im Ohr zu behalten und dennoch seinen Beitrag als unverzichtbar im großen Ganzen zu verstehen.

Wer musiziert, lernt vor allem zuzuhören, andere Stimmen zu akzeptieren, aber auch, sich selbst hörbar und verständlich zu machen. Er oder sie lernt, Verantwortung zu übernehmen, Verantwortung einzufordern und die Verantwortung anderer zu respektieren. Das sind alles Fähigkeiten und Werte, die weit über den Bereich der Musik hinaus von Bedeutung sind. Ob die Familie zuhause oder später im Beruf: Immer wieder trifft man auf Gruppen von Menschen, die vielstimmig sind, unterschiedliche Charaktere und Interessen haben, die aber trotzdem - oder, wie wir aus der Musik wissen, gerade deshalb - harmonieren.

Die Erfahrungen, Erlebnisse und auch die Erfolge meiner Schülerinnen und Schüler aus der Landsberger Region machen dieses Projekt mit zum Größten, was ich bisher musikalisch erleben durfte.

Stefan G. Schmid